18 – False River

Die dicken Flußschiffe haben uns in Ruhe gelassen. Anscheinend halten die irgendwie Nachtruhe. Der Verkehr auf dem unteren Flußabschnitt hält sich sehr in Grenzen, die Verkehrsdichte auf dem Rhein ist – so empfinden wir es zumindest – um ein Vielfaches höher.

Wir besichtigen Stanton Hall, eine der vielen Villen reicher Baumwollpflanzer und -Händler hier.
Meist nur einfach Protzbauten, ohne Stil. Die Eigentümer dieser Häuser hatten Geld wie Heu und feierten rauschende Feste. Vom Winde verweht.

Sehr schön hingegen ist Longwood House.

Der Oktagon-Bau wurde 1860 von Bauleuten aus Pennsylvania begonnen jedoch aufgrund des Bürgerkriegs nie fertiggestellt. Das Vermögen der Pflanzer basierte auf der Südstaaten-Währung und es wurden viele Kriegsanleihen gezeichnet, die mit Ende der Auseinandersetzungen keinen Wert mehr hatten. Die Eigentümer mussten ihre Plantagen verkaufen und hielten sich mit Viehzucht über Wasser. Geld zur Fertigstellung des wirklich klug durchdachten Gebäudes konnte nicht mehr erwirtschaftet werden. Für weitere 100 Jahre lebten die Nachkommen im Erdgeschoß mehr schlecht als recht.

Wir besuchen die Frogmore Plantation, eine Baumwollplantage 20 Meilen westlich des Flusses. Früher wurde das Land hier regelmäßig vom Fluß überspült. Jetzt verstehen wir Ned besser. (Ein Insider für @kühnskinder, Ned ist Steuermann auf einem Steamer in „Lucky Luke auf dem Mississippi“, das Heft hat einen soooo guten Bezug zu Leuten und Landschaft hier, ist zudem historisch gut recherchiert).

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Als Luke früh morgens kein Ufer mehr sieht, bemerkt Ned, dass er keine Ahnung habe, über welchen Rübenacker er gerade shippert. Überflutung gut 30 km landeinwärts.

Frogmore unterhält ein Freilichtmuseum, das sehr schön angelegt ist und über die Arbeit und das Leben im 19. Jh. informiert.


Wir bleiben auf der Louisiana-Seite und bummeln auf der LA 15 langsam immer am Ufer entlang. Die Nördliche Angola-Fähre ist überflutet, aber wir bleiben eh auf der westlichen Seite. Das Sperrwerk (Old River Project) hat den Fluß, der sich während der großen Flut 1948 einfach ein neues Bett entlang des Atchafalaya Richtung Golf von Mexico gesucht hatte und nicht mehr nach New Orleans wollte, wieder in das alte Bett gedrängt. Die langestreckte Anlage steht den Bauten in Holland in nichts nach.

Nach ein paar Kilometern erreichen wir den False River, ein herrliches Altwasser in typischer Hufeisenform. Hier haben wir hinter Jim’s Kneipe einen ruhigen Stellplatz am Wasser gefunden. Jetzt muß doch die Klimaanlage in Aktion treten, es ist schwül-warm draußen.

 

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